{"id":443,"date":"2013-11-09T17:46:10","date_gmt":"2013-11-09T16:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.strohbachorgel-elstra.de\/?p=443"},"modified":"2013-11-09T17:51:19","modified_gmt":"2013-11-09T16:51:19","slug":"tag-des-offenen-denkmals-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.strohbachorgel-elstra.de\/?p=443","title":{"rendered":"Rede zum Tag des offenen Denkmals 2013"},"content":{"rendered":"<p>Elstras \u201eunbequemes Denkmal<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die Elstraer stellten sich an diesem Tag ihrer Verantwortung. Sie thematisierten den Umgang mit der von 1998 &#8211; 2004 stehenden Plastik unter dem Titel \u201eGegen Fremdenfeindlichkeit &#8211; Erinnerung und Mahnung\u201c.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Ausschnitte\u00a0der in der St.-Michaeliskirche zu Elstra gehaltenen Rede:<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Wir schreiben das Jahr 1998. In der Gersdorfer Stra\u00dfe von Elstra &#8211; auf dem Grundst\u00fcck der van Eyks &#8211; macht sich ein alter Mann zu schaffen. Es ist der Holl\u00e4nder Anton van Eyk\u00a0 h\u00f6chst selbst. Die Einheit Deutschlands erm\u00f6glicht ihm, nochmals sein Grundst\u00fcck aufzusuchen, in dem er und seine Frau Dorle von 1940 bis 1948 lebten &#8211; und seine beste Zeit erlebte, wie er selbst sagt, &#8211; eine Zeit, in der seine Gebrauchs- und Kunstkeramik und das Kunstgewerbe seiner Frau von Auftraggebern sehr gefragt war. Eigentlich hatte er das Studium der Bildhauerei absolviert, doch der Ausbruch des 2. Weltkrieg erschwerte seine Pl\u00e4ne. Anton van Eyk stellt mit einem befreundeten Ehepaar eine Plastik auf, die er als 86j\u00e4hriger in seinem Atelier in Leuth nahe der Venloer Heide gefertigt hatte. Was zwang ihn dazu? Schlimme Erinnerungen waren wieder lebendig geworden und lie\u00dfen ihm keine Ruhe. Das j\u00fcdische Ehepaar Hoffmann, das zwei H\u00e4user weiter in der Villa des Oberlehrer Augst \u201euntergetaucht\u201c war und so hoffte, mit dem Leben davon zu kommen, fiel kurz vor dem Zusammenbruch des faschistischen Staates dem Gr\u00e4uel zum Opfer. Als Ende April 1945 die sowjetischen\/polnischen Truppen noch einmal zur\u00fcckgedr\u00e4ngt wurden, sei ein Auto (ein Augenzeuge sprach von einem Opel P4) vor die Augst-Villa gefahren und ein Mann habe das Ehepaar Hoffmann aus dem Haus geholt, in das Auto steigen lassen und sei davon gefahren. Irgendwo in der N\u00e4he habe der Mann beiden aufgefordert, das Auto zu verlassen und weg zu laufen. Sie folgten der Aufforderung. Der Mann schoss hinter ihnen her und traf beide. Als Inge Hoffmann aus ihrer Ohnmacht erwachte, sah sie wenige Meter entfernt ihren Mann liegen. Sie kroch zu ihm, er war bewusstlos und atmete schwer. Sie nahm ihn in die Arme &#8211; er starb. Sie konnte sich zur Stra\u00dfe schleppen und wurde gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Im Sommer 1946 war sie wieder hergestellt, der Lungenschuss \u201everheilt\u201c. Inge Hoffmann wollte wieder am Leben teilhaben und schloss sich der in Elstra bestehenden Theater-Truppe an. Inge war nicht nur sch\u00f6n, sondern konnte auch sehr gut singen. Sie bekam die Hauptrolle, die R\u00f6ssl-Wirtin, im \u201eWei\u00dfen R\u00f6ssl vom Wolfgangsee\u201c. Zur Hauptprobe erschien die sonst so p\u00fcnktliche Inge nicht. Sie hatte wohl zu Hause zu sehr ge\u00fcbt, dabei platzte die Lungenwunde wieder auf und sie starb binnen weniger Minuten. Anton van Eyk, der wahrscheinlich \u00e4hnlich als \u201eAusl\u00e4nder\u201c um sein Leben in dieser furchtbaren Zeit gebangt hatte, konnte sich besonders gut in die Lage der Hoffmanns versetzen und litt mit ihnen. Nun war er ein alter Mann und sah seine letzte Aufgabe darin, die Menschheit zu mahnen, nie wieder so etwas zuzulassen! In Elstra wusste kaum jemand etwas von der Aufstellung der Plastik, am wenigsten die Stadtverwaltung. Also f\u00fchlte sich auch niemand zust\u00e4ndig, diesen Platz zu pflegen, zumal sich auch dieser eingez\u00e4unt &#8211; ohne T\u00fcr &#8211; auf dem Privatgrundst\u00fcck befand. Und so verwahrloste dieses Mahnmal gegen Unkultur. Die Schrifttafel mit den urspr\u00fcnglich Worten:<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u201eIn den letzten Kriegstagen 1945 wurde das j\u00fcdische Ehepaar Inge und Werner Hoffmann sowie eine unbenannte Zahl ausl\u00e4ndischer Zwangsarbeiter ermordet. Kurz darauf t\u00f6teten polnische und russische Soldaten etwa 50 B\u00fcrger der Stadt Elstra.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">&#8211; Gestiftet von den Eheleuten Dorle und Anton van Eyk, die dem Unheil entkamen.\u201c,<\/p>\n<p align=\"LEFT\">war eingewachsen, die Buchstaben hatten sich gel\u00f6st und damit war der Text v\u00f6llig entstellt. Das Grundst\u00fcck der van Eyks erwarben k\u00e4uflich junge Leute, die sich ein sch\u00f6nes Haus darauf bauten und einen Garten anlegten. F\u00fcr sie war der von ihrem Land abgetrennte \u201eSchandfleck\u201c unertr\u00e4glich. Sie baten darum, dieses Mahnmal umzusetzen. Aber so einfach war das nicht! Zwar konnten sich die Stadtr\u00e4te vorstellen, dass man auf dem Friedhof Elstras einen geeigneten Platz daf\u00fcr findet, doch brauchte man nun das Einverst\u00e4ndnis der Erben, denn Anton van Eyk war inzwischen verstorben. Au\u00dferdem scheute man die Umsetzung, weil dabei noch mehr kaputt gehen konnte. Man bat die Erben, sie m\u00f6gen diese Plastik der Stadt \u00fcberschreiben, damit man sie versichern und ausbessern kann. Es f\u00fchrte kein Weg hinein. Und deshalb griffen die Besitzer zur Selbsthilfe. Sie beauftragten eine Firma, die Plastik vorsichtig zu bergen und erwarben sehr teuer dieses kleine St\u00fcckchen Land. Bei Nacht und Nebel wiederum wurde das Denkmal von den Erben abgeholt und niemand wei\u00df, wo es hingeraten ist. Aber dieser Sache gehen engagierte Elstraer B\u00fcrger nach. Im 10. Todesjahr des Anton van Eyk 2014 wollen sie es herausgefunden haben. Der alte Mann soll geweint haben, als er nach Aufstellung der Plastik zur\u00fcck nach Leuth fuhr, zumal er auch Elstra so liebte. Doch die Elstraer erwiderten seine Liebe leider nicht. Leider begleitete das Scheiterte den K\u00fcnstler sein Leben lang: Er heiratete eine Deutsche, deshalb blieb er in Deutschland und wurde nat\u00fcrlich denunziert. 1945 von den Faschisten, er sollte mit der Taschenlampe\u00a0Lichtorientierung f\u00fcr die amerikanischen Flieger gegeben haben. 1948 musste er und seine Frau wegen Spionageverdachtes vor dem sowjetischen KGB aus Elstra fliehen und gingen nach Holland. Dort wurde mehrmals sein Atelier im Nachkriegs-Amsterdam verw\u00fcstet, weil er eine deutsche Frau geheiratet hatte. 1958 erwarb das Ehepaar ein 22500 qm Areal eines ehemaligen Nazi-Flugplatzes und gestaltete es als Park mit vielen von van Eyk geschaffenen Plastiken um. Eine erinnert an Dorothea mit der Taube in der Hand. Das Ehepaar lebte dort bis zum bitteren Ende in einem Wohnwagen, ohne flie\u00dfendes Wasser und Strom &#8211; also karg. Der urspr\u00fcngliche Plan, auf dem Gel\u00e4nde keramische Werkst\u00e4tten zu errichten, scheiterte wegen finanzieller Schwierigkeiten und b\u00fcrokratischer Stolpersteine. Diese verhinderten auch den Bau eines festen Wohnhauses mit Atelier. Anton van Eyk erz\u00e4hlte: \u201eWir waren immer Au\u00dfenseiter und legten keinen Wert darauf, ein b\u00fcrgerliches Leben zu f\u00fchren, wir haben ohne Wohnung gelebt, in der Werkstatt, wurden \u00fcberall rausgeschmissen!\u201c Dorothea starb 1995 (sie wurde 83 Jahre alt), Anton 2004 im Alter von 92 Jahren.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Quellen: Heimatbuch 2002 des Kreises Viersen, Artikel der SZ vom 27. 03. 2004, geschrieben von Bernd Goldammer, Stadtverwaltung Elstra, Befragung von Zeitzeugen\u00a0 und Elstaer B\u00fcrgern, die Anton van Eyk noch kennenlernten, Zusammengetragen von Dr. Hermann Schierz, Sieglinde Fr\u00f6hlich und Holde Liebau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elstras \u201eunbequemes Denkmal Die Elstraer stellten sich an diesem Tag ihrer Verantwortung. Sie thematisierten den Umgang mit der von 1998 &#8211; 2004 stehenden Plastik unter dem Titel \u201eGegen Fremdenfeindlichkeit &#8211; Erinnerung und Mahnung\u201c. 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